Mädchen zu vermieten

Während meines Studiums bin ich immer wieder über ein bestimmtes Thema gestolpert, das ich damals leider nicht weiter vertiefen konnte. Bei diesem Thema, das sowohl Phänomen als auch Problem der japanischen Gesellschaft ist, handelt es sich um das sogenannte JK business. Diesem Blogartikel gehen keine umfassenden wissenschaftlichen Recherchen voraus, dennoch möchte ich erste Aspekte nennen, die mir bei diesem Thema zu denken geben. Wenn jemand sich mit JK business gut auskennt, insbesondere auch mit dem rechtlichen Hintergrund, dazu geforscht hat o. ä. wäre ich sehr dankbar für weitere Infos, konstruktive Kritik und Hinweise.

JK für das japanische Wort für Schülerin einer Oberschule (joshi kokosei) und business ist im Sinne von Geschäft / Geschäfte zu verstehen. Genau genommen ist JK business eine Unterkategorie von enjokosai. Enjokosai bedeutet soviel wie „vergütete Dates“ und hat auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit dem, was Escortservice oder Hostess mit einschließt. Bei enjokosai bietet normalerweise eine Frau ihre Dienste und ihre Zeit einem Mann an. Diese Dates können alles von einfachen Unterhaltungen, Massagen, Restaurantbesuchen bis hin zu Sex beinhalten. Es wird vermutet, dass enjokosai und ähnliches sich in Japan in vielen Varianten entwickelt hat, da offene Prostitution gesetzlich seit 1958 verboten ist. Es wäre einfach, enjokosai und das ganze JK business abzuhaken als eine der vielen seltsamen und komischen Dinge, die die japanische Gesellschaft an „Unterhaltung und Amüsement“ zu bieten hat. (Wieso sollte ein Mann eine fremde Frau dafür anheuern, dass er ihr seine Sorgen und Nöte erzählen kann, während sie ihm die Ohren säubert?) Aber so seltsam manches scheinen mag, solange gegenseitige Zustimmung und Regeln beachtet werden und keine Minderjährigen darin involviert sind, ist dagegen aus meiner Sicht nicht viel zu sagen.

Womit wir auch schon beim springenden Punkt sind. Denn beim JK business handelt es sich naturgemäß um Dienste, die von Schülerinnen angeboten werden, die oft noch nicht 18 Jahre alt sind. Kunden dieser Mädchen sind meist Männer mittleren Alters, denen die Mädchen verschiedene Services anbieten. Offiziell beinhaltet das Angebot unschuldig anmutende Dinge wie Restaurantbesuche, Besuche in Karaokebars, Spaziergänge, Unterhaltungen oder Wahrsagen. Viele Kunden bezahlen die Mädchen nicht nur, sondern schenken ihnen außerdem Markenkleidung oder Accessoires.

Es besteht dabei eine große Gefahr für die Mädchen von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt zu werden, in gefährliche Situationen zu geraten oder Opfer von Missbrauch zu werden. Sowohl Mädchen und junge Frauen aus dem Bereich als auch Aktivisten gegen Kindesmissbrauch und Menschenhandeln berichten, dass hinter dem JK business undurchsichtige Organisationsstrukturen stecken und eventuell auch die Yakuza, also die japanische Mafia, ein Interesse an diesen Geschäften hat.

Es ist sehr einfach für Mädchen, an diese Jobs zu geraten. Sie können sich zum Beispiel im Internet auf der Seite eines Shops registrieren. Werden sie genommen, macht der Shop für die Mädchen Dates mit den Kunden aus. Außerdem stehen die Mädchen oft auf belebten Straßen der Großstädte mit ihren Fotos und Flyern, die sie an potentielle Kunden verteilen.  Es ist also nicht überraschend, wenn man durch Ikebukuro oder Akihabara läuft und von Mädchen in Schuluniformen angesprochen wird, die Massagen oder Handlesen anbieten.

Da diese Dienste nicht direkt gegen das Anti-Prostitutionsgesetz oder den Jugendschutz verstoßen, haben Polizei und Sozialarbeiter keine rechte Handhabe. Einige japanische Präfekturen versuchen dagegen vorzugehen, indem sie JK business durch unter 18jährige komplett verbieten. Auch sind in dem Medien von Zeit zu Zeit Razzien zu sehen, wo die Polizei einige JK business Shops durchsucht und schließt. Doch bis jetzt scheint es kein probates Mittel zu geben, um diese Geschäfte vollständig unter Kontrolle zu bekommen.

Ein Problem, dass mit JK business zusammenhängt, ist meiner Vermutung nach, dass die Gesellschaft sich zu sehr auf das Verhalten und Benehmen der Mädchen und jungen Frauen konzentriert, statt sich zu fragen, warum es toleriert wird, dass Männer in dieser Art und Weise ihrem Interesse an jungen und minderjährigen Mädchen weiter nachgehen. Es wäre wohl sehr blauäugig zu glauben, dass alle diese Männer sich nur ein wenig unterhalten möchten.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich die ganze Art und Weise, wie die japanische Gesellschaft das Interesse von Männern an Schulmädchen fördert, problematisch finde. Man braucht nur kurz an die omnipräsenten Popbands zu denken, die aus Schulmädchen zusammengecastet sind. Zielgruppe sind gestresste männliche Angestellte, deren Fantasien befeuert werden durch suggestive Songs mit Titeln wie „Meine Schuluniform ist mir im Weg“ oder „Liebe einer Jungfrau“, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Absicht und Motivation der Kunden bzw. Fans mögen sehr unterschiedlich sein. Mir scheint es jedoch so, dass sowohl JK business als auch die Popbands den Männern das Gefühl geben, als wohlwollende Gönner und Beschützer tätig zu werden, wodurch herkömmliche Rollenbilder bestätigt werden. Das ist ein Gegensatz zur Realität, in der auch in Japan Frauen immer unabhängiger werden und in Bereiche des Lebens vordringen, die zuvor nur von Männern besetzt worden sind. Frauen machen Karriere, stehen für sich selbst ein und zeigen mehr Selbstbewusstsein. Dies mag für einige Männer bedrohlich wirken. Für solche Männer können die Mädchen als Bestätigung althergebrachter Rollenvorstellungen fungieren.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass einigen Kunden auch einfach nur der zwischenmenschliche Kontakt fehlt, ohne dass sie dabei sexuelle Absichten im Hinterkopf haben. Aber, um es klar zu sagen, andere „Kunden“ versuchen wiederum, ihre sexuellen Fantasien auszuleben; wieder andere glauben so, Macht über Mädchen und Frauen ausüben zu können, denn sie haben ja dafür gezahlt.

Was könnten die Gründe für die Mädchen sein, im JK business zu arbeiten? Zunächst ist so ein Job eine gute Möglichkeit, schnell relativ viel Geld zu verdienen. Oft erhalten die Mädchen doppelt soviel Geld, wie ihre Freunde mit anderen Jobs. Dazu gibt es bei manchen Kunden noch extra Geschenke und Aufmerksamkeiten, was natürlich verführerisch ist.

Natürlich mag auch die naive Neugierde von jungen Menschen eine Rolle spielen und die Mädchen dazu bringen, es einfach mal auszuprobieren. Dadurch können sie sich auch mit den anderen vergleichen und herausfinden, was sie selbst so „wert“ sind.

Außerdem kann die Arbeit im JK business als ein Akt der Rebellion gegen Eltern, Familie, Schule und der Gesellschaft als Ganzem angesehen werden. Mädchen können es als ein Mittel verstehen, dadurch trotzig ihre Antihaltung gegen Moralvorschriften zum Ausdruck zu bringen.

Dann gibt es noch die Mädchen, die einen schwierigen persönlichen Hintergrund haben. Deren Familie zerrüttet ist, und die nicht wissen, an wen sie sich wenden oder wem sie vertrauen können. Solche Mädchen sind leichte Opfer. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit fühlen sie sich wertgeschätzt, gewollt und gebraucht.

Des Weiteren spielen Armut und frühere Gewalterfahrungen eine Rolle. Auch in Japan gibt es Kinder und Jugendliche, die durch das soziale Auffangnetz fallen und sich aus purer Not von Fremden zum Essen einladen lassen und im Gegenzug mit ihrem Körper bezahlen. Einige Mädchen berichten, dass sie in der Vergangenheit auch negative Erfahrungen mit Sozialarbeitern oder staatlichen Fürsorgeeinrichtungen gemacht haben und möglichst nichts mehr mit denen zu tun haben möchten.

In der gegenwärtigen Rechtslage haben Sozialarbeiter und Polizei bis jetzt wenig Handhabe und Mittel, gegen organisierte zwielichtige Geschäfte vorzugehen. Gleichzeitig hat sich auch privates Engagement dem Problem angenommen. Ein Beispiel ist COLABO, eine Organisation, die von Frau Yumeno Nito gegründet wurde. Als Jugendliche ist sie selbst von zu Hause davongelaufen und teilt die Erfahrung des Verlorenseins und der Verzweiflung mancher Mädchen und jungen Frauen. Einige von Nitos Freunden arbeiteten ebenfalls im JK business, einige wurden verletzt oder ausgebeutet und andere begingen schließlich Selbstmord.

Nito versucht nun, jungen Frauen und Mädchen in ähnlich schwierigen Lagen zu helfen. Beispielsweise geht sie nachts hinaus auf die Straßen von Tokyo und spricht Mädchen an, die Probleme zu haben scheinen. Sie bietet ihnen ein warmes Essen und einen Platz zum Ausruhen. Indem sie sich um sie kümmert, ihnen zuhört und ihnen Aufmerksamkeit schenkt, hofft Nito, dass die Mädchen nach und nach Vertrauen fassen, über ihre Probleme reden und sich von ihr und anderen helfen lassen. Sie möchte, dass die Mädchen einen Weg herausfinden aus diesen “Jobs”, aus Druck und Scham. Nicht selten geben die Mädchen sich selbst die Schuld und die Verantwortung dafür, wenn ihnen etwas schlimmes widerfahren ist. Nito betont deshalb umso vehementer, dass die Gesellschaft aufhören muss, die Mädchen als die Verantwortlichen zu sehen, und stattdessen nach den Personen fragen sollte, die hinter den Szenen die Strippen ziehen, und nach den Männern, die die Lage der Mädchen ausnutzen. Es muss begriffen werden, dass die Mädchen dies nicht aus Spaß oder aus hedonistischen Gründen tun, sondern oft eine ganze Reihe unglücklicher Faktoren eine Rolle spielen. Die Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft, der Leute, die die Mädchen anbieten und der Kunden, sollte gestellt werden.

Es gibt Stimmen innerhalb und außerhalb von Japan, die behaupten, Leute ohne Ahnung würden sich hier künstlich aufregen. Ihrer Meinung nach ist das ganze JK business eine kulturelle Erscheinung in Japan, die auch als solche akzeptiert werden sollte. Aber ist ein derartiges Phänomen, das es erlaubt und erleichtert, Minderjährige auszubeuten, wert verteidigt und geschützt zu werden? Doch wohl nicht. Außerdem hat Japan als  Industrienation und Demokratie diverse Vereinbarungen und Standards zum Schutz der Menschenrechte und des Jugendschutzes unterzeichnet.

Es gibt noch ein weiteres Argument, das das JK business von einem feministischen Standpunkt aus verteidigt. Demnach sind JK business und enjokosai Wege, die patriarchalen Strukturen, mit denen Männer Frauen besitzen und Macht über sie ausüben, zu untergraben. Denn solchen Arbeiten nachzugehen, verstößt gegen alle Normen, nach denen sich ein Mädchen oder eine Frau in Japan zu verhalten hat. Somit wird JK business zu einem Weg, die Bestimmungsgewalt über sich und seinen Körper zurückzugewinnen. Die Mädchen bestimmen nun selber über ihren Körper und entscheiden, an wen sie sich wie verkaufen. Ähnliche Argumente hört man auch in der hiesigen Debatte über  Prostitution an sich. Doch ohne weiter darauf eingehen zu wollen, ist zu sagen, dass, solange hier Minderjährige im Spiel sind, ein solches Argument mir ganz und gar nich einleuchten will.
Es bleibt zu hoffen, dass die Gesellschaft durch Engagement wie das von COLLABO beginnt, Dinge zu hinterfragen und vor allem aufhört, die Mädchen pauschal für ihr “schlechtes Benehmen” und “böses Treiben” zu verurteilen. Im Gegenteil, es sollte überlegt werden, wie ihnen geholfen werden kann und wie Männer, die sich hier strafbar machen, effektiv verfolgt werden können.

Quellen und Infos:

https://www.colabo-official.net/

https://www.youtube.com/watch?v=DNmJ_qv1XMo&lc=z12oh5i4bxqbvzxeu23ehf2pcv3hvphjy04

Haarige Angelegenheiten

Das Streben mancher Schulen in Japan, die Schüler zu disziplinieren und zu einer homogenen Masse zu formen, trägt bisweilen komische Blüten. Hervorragend zu beobachten ist dies am Beispiel einer staatlichen Schule in der Präfektur Osaka. Dort wurde eine Schülerin des Unterrichts verwiesen, durfte nicht an einer Klassenfahrt teilnehmen und bleibt auch gegenwärtig dem Unterricht fern.

Grund dafür: ihre natürlich braunen Haare

Seit ihrem Eintritt in die Oberschule im Jahr 2015 wurde die Schülerin von Lehrern und Erziehern immer wieder dazu gedrängt, sich ihre Haare schwarz zu färben. Irrsinnige Begründung dafür ist, dass es Schülern verboten ist, Haare zu färben, sich eine Dauerwelle machen zu lassen oder ähnliches. Nur japanisches Haar, dass in den Augen der Schule offenbar schwarz und glatt zu sein hat, ist geduldet. Auch die Erklärung der Mutter der Schülerin, ihre Tochter habe nunmal schon seit ihrer Geburt braune Haare, ließ die Schule nicht gelten.

Doch nach einer langen Zeit voller Repressalien, Druck und Frisörbesuchen hatte die Schülerin im September 2016 endgültig genug. Sie kam der Anweisung der Schule nicht mehr nach und wurde infolgedessen des Unterrichts verwiesen. Ihre Haare waren einfach nicht mehr schwarz genug, nicht mehr konform.

Die Schülerin hat nun rechtliche Schritte eingeleitet und die Präfektur als verantwortliche Stelle auf Schadenersatz verklagt. Der Anklageschrift zufolge wurden durch die dauernde Färberei die Kopfhaut und das Haar der Schülerin geschädigt. Außerdem litt sie unter dem Druck durch Lehrer und Erzieher, die sie nicht so akzeptierten, wie sie ist. Sie gibt zu bedenken, dass die Schule doch ein Ort sein sollte, an dem Schüler ohne Schaden und in völliger Gesundheit erzogen und ausgebildet werden sollten. Diese Pflicht hat die Schule aber durch ihre Engstirnigkeit in den Augen der Schülerin mehr als verletzt.

Bei einer ersten Anhörung vor Gericht am heutigen 27. Oktober zeigte sich die Vertretung der Präfektur jedoch unnachgiebig. Sie fordert eine Einstellung der Schadenersatzklage.

Quellen:

http://www.asahi.com/articles/ASKBS6D22KBSPTIL024.html

Japanreise 2013

Planung

Als meine Eltern mir vom anderen Ende der Welt aus erzählten, sie und mein Bruder würden mich gerne in Japan besuchen kommen, wusste ich kurz nicht, ob ich mich einfach freuen oder aber den plötzlich losgehenden Alarmglocken irgendwo in meinem Unterbewusstsein Beachtung schenken sollte. Klar, ich war jetzt schon länger als ein halbes Jahr von ihnen fort und sicher wollte ich sie auch gerne sehen. Aber ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass meine lieben,  bodenständigen Eltern aus dem norddeutschen Tiefland sich in Japan nicht zurecht finden würden. Auf jeden Fall würde es eine Herausforderung für alle Beteiligten sein. Bei meinem Bruder machte ich mir naturgemäß weniger Sorgen, war er doch selber grade aus Südafrika zurückgekehrt.

Der Gedanke, dass ich meinen Bruder bei Vorbereitung und Durchführung des Besuchs als tatkräftige Unterstützung zur Seite haben würde, beruhigte mich dann auch dahingehend, dass ich mich ehrlich über diese Ankündigung freuen und das flaue Gefühl im Magen ignorieren konnte.

Rückblickend muss ich sagen, dass alle Beteiligten a) viel Mut, Geduld und Offenheit mitbrachten und b) wir die Planung derart gestaltet haben, dass Wünschen, spontanen Ideen und unvorhergesehnen Ereignissen genug Platz eingeräumt wurde und somit die Reise eine schöne und interessante Erinnerung bleibt, die man gern immer wieder hervorholt. Punkt a) hat sicher viel mit Charaktereigenschaften zu tun. Doch Punkt b) ist eine Möglichkeit, sich auf einer Individualreise im Land der aufgehenden Sonne nicht vollständig verloren vorzukommen. Als Inspiration möchte ich hier einige Highlights erwähnen und Tipps mitgeben.

Wie also reist man „erfolgreich“ durch Japan?

Alle größeren Projekte haben es so an sich, dass sie einer mehr oder weniger gründlichen Vorbereitungs- und Planungsphase bedürfen. Diese Aufgabe war überwiegend uns Kindern überlassen. Wichtige Fragen, die wir im Vorfeld klären mussten:

Art der Reise (Individual/Pauschal)

Dauer der Reise (Tage/Wochen)

Kosten der Reise (Minimu/Maximum)

Ziele der Reise (feste Ziele/spontane Ziele)

Für uns war von vornherein klar, dass wir nicht irgendwelche Gruppenreisen wollten. Ich wurde als persönliche Reiseführerin/Dolmetscherin/Übersetzerin/Person mit interkulturellen Kompetenzen betrachtet, was das elendige Abklappern von Sightseeingspots in einer Touristengruppe überflüssig machen würde. Wir wollten möglichst frei entscheiden können. Deshalb kam schon früh die Idee auf, sich im Verlauf der Reise ein Auto zu mieten und mit diesem auf eigene Faust das Land zu erkunden.

Da es in Japan viel zu sehen gibt, lohnt sich ein kurzer Aufenhalt eher weniger. Wir haben uns damals nur auf der Hauptinsel Honshu bewegt und selbst dabei unzählige Eindrücke mitgenommen und interessante Menschen getroffen. Sicher möchte man viele Orte besichtigen, jedoch halte ich es für kontraproduktiv, in Japan von einem Tempel zum nächsten zu hetzen. Es sollten schon mindestens 10 Tage sein, wenn man Japan bereist.

Aber natürlich ist dies auch eine Frage der finanziellen Situation. Reisen nach Japan sind teuer. Zu berücksichtigen sind hier unter anderem Flug, Übernachtungen, Essen, Eintrittsgelder, Fortbewegungsmittel, Leihgebühr fürs Smartphone / Internet usw.. Auf jeden Fall solltet ihr neben einer Kreditkarte auch genügend Yen dabeihaben, da Bargeld immer gern gesehen ist. Geldwechseln ist auch vor Ort möglich, aber je nach Wechselkurs kann es besser sein, schon in Deutschland Geld einzutauschen.

Osaka und Kyoto

Startpunkt unserer Reise war Osaka. Dort sammelte ich meine gejetlagten Familienmitglieder ein. Direkt am Flughafen liehen wir uns ein Smartphone für die Reise, um auch unterwegs immer ordentliches Internet zur Verfügung zu haben.

Osaka ist eine große und lebendige Stadt, in der es sicher viel zu sehen gibt. Die abendlichen Lichter der Einkaufsstraßen und Touristenviertel können jedoch für übermüdete Deutschen vom Lande etwas anstrengend sein, weshalb wir nur kurz durch die Straßen spazierten.

Nächster Stop war Kyoto, wo wir den wunderschönen Tempel Kyomizudera kurz vor Kassenschluss in aller Ruhe besichtigen konnten.

Das beste an dem Tag war jedoch, dass wir danach in einer kleine Eckkneipe landeten. Außer den netten Gesellen, die dort zum Inventar gehörten, waren nur wir vier dort. Nach kurzer Zeit, als deutlich wurde, dass ich Japanisch konnte, begannen eben jene herzlichen Gesellen, uns mit Sake zu versorgen. Dies führte unweigerlich zur Steigerung der guten Laune und dazu, dass wir uns nicht mehr so ganz in der Lage sahen, den Weg zum Hostel zu Fuß zurückzulegen, sondern uns von einem dieser weiß-behandschuhten Taxifahrer jenseits der 60 nach Hause bringen ließen.

Neben dem erwähnten Kyomizudera ist auch der Bambuswald etwas außerhalb der Stadt einen Besuch wert. Wir waren besonders clever und haben uns vor Ort Räder geliehen. Eine ganze Weile radelten wir durch die Ortschaft und den Wald, als plötzlich mein Bruder hellauf begeistert irgendetwas rief und in die Pedale trat. „Affen! Da steht, dass es oben auf dem Berg Affen gibt!“ Seine Begeisterung für Affen konnte ich noch nie so ganz teilen, aber was tut man nicht alles, damit Gäste zufrieden sind? Es blieb uns nichts anderes übrig, als ihm folgend diesen Berg in der Sommerhitze zu erklimmen. Tatsächlich. Oben war eine ganze Affenhorde, die sich nicht weiter von den Menschen und Aufsichtspersonen stören ließ. Während mein Bruder begeistert Affen fotografierte, hielten meine Mutter und ich lieber etwas Abstand.

Ein weiterer Umstand, den man sehr zu schätzen lernt, wenn man in Japan unterwegs ist, sind die Kombinis. An jeder Ecke, rund um die Uhr geöffnet, ermöglichen sie abenteuerlichen Ausländern, die nach einem langen Tag noch immer nicht genug haben, sich entsprechend mit (alkoholischen) Getränken einzudecken und am nächsten Tag dafür die Konsequenzen zu tragen. *hust*

Von Kanazawa auf zum Roadtrip

Nachdem wir die Großstädte Osaka und Kyoto gesehen hatten, nahmen wir den Expresszug Richtung Kanazawa, der Stadt, wo ich als Austauschstudentin verortet war. Ab hier begann der eher ungeplante Teil der Reise. In Osaka, Kyoto und Kanazwa hatten wir stets vorher Unterkünfte reserviert und die Sightseeingpunkte geplant. Doch nun wollten wir uns selbstständig mit unserem gemieteten Subaru aufmachen, die ländlicheren Regionen in nordöstlicher Richtung zu erkunden. In Japan Autofahren funktioniert eigentlich ganz gut. Die Straßen sind in sehr gutem Zustand und Tankstellen sind auch genügend vorhanden. Nur nicht vergessen darf man, dass in Japan Linksverkehr herrscht und es eine Weile dauern kann, bis man sich daran gewöhnt. Für die Nutzung der Autobahn müssen Gebühren bezahlt werden. Um Autofahren zu dürfen, benötigt man eine Anerkennung des ausländischen Führerscheins. Gegen Vorlage verschiedener Papiere und einer Bearbeitungsgebühr war es für mich kein Problem, im Vorfeld unsere Führerscheine von der Stadt Kanazawa anerkennen zu lassen. Dem Abenteuer Nordosten stand nichts mehr im Weg.

Matsumoto und Kamikochi

Die Reise mit dem Auto war oftmals ein richtiger Roadtrip. Wir hatten die Freiheit, spontan Ziele zu ändern, zu stoppen oder umzukehren. Außerdem konnte ich so immer mit dem Handy rumtelefonieren und versuchen, uns eine Unterkunft für die Nacht zu besorgen. Denn wir wussten ja nie so genau, wo wir landen würden.

So haben wir unterwegs beispielsweise einen verborgenen Wasserfall gefunden und mein Bruder und mein Vater ließen es sich nicht nehmen, in das eiskalte Wasser zu springen.

Es war auf jeden Fall eine großartige Idee gewesen, nach den hektischen Großstädten aufs Land mit dem Auto zu fahren. Nicht nur waren wir unabhängiger, sondern auch entspannter als vorher.

Ein Highlight dieses Reiseabschnitts war die Stadt Matsumoto in der Präfektur Nagano. Im Gegensatz zum südlichen Teil Honshus war es hier auch im Sommer angenehm frisch und weniger drückend. Die Stadt Matsumoto besitzt eine beeindruckende und sehr interessante Burg, die – da muss ich meinem Bruder Recht geben – eigentlich noch viel cooler ist, als das hochgelobte Schloss von Osaka. Denn diese Burg in Matsumoto war voll und ganz auf Verteidigung ausgerichtet und behergte sogar ein geheimes von außen nicht zu sehendes Zwischenstockwerk. Hier konnten die Samurai ihre Feinde unerkannt ins Visier nehmen und mit Pfeilen beschießen.

Absolut empfehlenswert ist auch ein Besuch in Kamikochi. Dies ist eine Reiseregion am Rand der japanischen Alpen, die viele Leute zum Wandern und Campen einlädt. Dort gibt es glasklare Bäche und beeindruckendes Bergpanorama. Die Luft ist wunderbar frisch und in dieser wunderschönen Natur lässt es sich gut aushalten. Schon beim Erzählen packt mich wieder das Fernweh. Am besten versucht man, hier nicht während der Hauptsaison hinzufahren, da die übrigen Touristen doch etwas störend sein können.

End of Roadtrip

Von Nagano aus machten wir uns wieder auf den Rückweg gen Westen Richtung Kanazawa. Ein Tag am japanischen Meer markierte den Endpunkt unserer langen und aufregenden Reise. Grade wollten wir das Auto beim Autoverleih abliefern, da hätten wir doch glatt noch einen Strafzettel für das Übersehen eines Stopschilds kassiert. Dies konnte glücklicherweise durch meine gewandte Rethorik und überschwängliche Entschuldigung beim Polizisten verhindert werden – naja, vielleicht hatte der gute Mann auch einfach keine Lust, sich mit vier Deutschen rumzuschlagen. Wer weiß.

Danach trennten sich unsere Wege. Ich setzte meine Eltern und meinen Bruder in den Zug nach Osaka, von wo aus sie am nächsten Tag nach Hause fliegen würden. Einerseits froh, dass alles gut geklappt hatte, andererseits wehmütig, dass die Reise zu Ende war, machte ich mit auf den Heimweg, zurück in mein kleines Studentenwohnheimzimmer.

Fazit

Japan ist wunderschön und sehr vielseitig. Um möglichst viel von Japan zu sehen und zu erfahren, kann ich nur empfehlen, sich auch außerhalb der großen Städte aufs Land zu wagen. Sicher kann man dies auch ohne Auto gut mit der Bahn, Bussen oder vielleicht mit dem Rad. Außerdem bin ich überzeugt, dass weniger oft mehr ist und man sich die Zeit nehmen sollte, auch mal einen halben oder einen ganzen Tag länger an einem Ort zu verweilen. Was in Erinnerung bleibt, sind oft weniger die „typischen“ Touristenspots, sondern eher die versteckteren Schätze, wie eben jener Wasserfall, die man gemeinsam entdeckt hat. Oder aber die Begegnung mit offenen Menschen, die deine Familie und dich auf ein Glas Sake einladen. Oder aber auch der grummelige Polizist, der euch nach einem strengen Blick und mahnenden Worten doch noch dieses eine mal davonkommen lässt. Oder auch die geschwätzige Hotelbesitzerin mit dem gutmütigen Gesicht, die einfach nicht mehr aufhören kann, dich und deine Familie auszufragen. Oder der dicke Japaner nebenan im Zimmer, unter dessen wankendem Gang das Holz der traditionellen Herberge knarzt…

 

 

Bevor die Blutkonserven zur Neige gehen – Innovationen aus Kyoto

Im Jahr 2012 hat der japanische Stammzellenforscher Shinya Yamanaka den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Entwicklung von iPS-Zellen (induced pluripotent stem cells) erhalten. Das sind Zellen, die in der Lage sein sollen, sich wie eine natürliche Stammzelle in jede beliebige Körperzelle weiterzuentwickeln. Und da im Gegensatz zur Verwendung embryonaler Stammzellen in Forschung und Entwicklung keine ethischen Fragen aufkommen, sind iPS-Zellen äußerst vielversprechend für die Zukunft von Medizin, Biologie und Pharmazie.

Nun hat ein medizinisches Start-up aus Kyoto, Megakaryon Corp., um Genjiro Miwa bekannt gegeben, weltweit die erste Methode zur Massenproduktion von Blutplättchen aus iPS-Zellen gefunden zu haben. Gewöhnlich werden Blutplättchen aus gespendetem Blut anderer Menschen gewonnen und beispielsweise verwendet, um Blutungen nach Unfällen oder bei Operationen zu stillen. Gerade in Japan, wo aufgrund der sinkenden Bevölkerungszahl mit gleichzeitig hohem Altenanteil und geringer Geburtenrate ein weiterer Rückgang an Blutspenden abzusehen ist, setzt man auf die aus iPS-Zellen hergestellten Blutplättchen als Alternative. Außerdem sind aus Blutspenden gewonnene Derivate nur etwa vier Tage haltbar, wohingegen das von den Wissenschaftlern geschaffene Produkt bis zu zwei Wochen verwendet werden kann.

Megakaryon hofft, bis 2020 die Erlaubnis zum Vertrieb des Produkts in Japan und den USA zu erhalten und schließlich auch weltweit agieren zu können. Klinische Versuchsreihen sind für nächstes Jahr geplant. 

 

Quellen:

World’s first method for mass-producing platelets from iPS cells unveiled by Kyoto startup

http://www3.nhk.or.jp/news/html/20170807/k10011092061000.html?utm_int=nsearch_contents_search-items_001

 

Grundkurs Psychologie

In den Präfekturen Aichi und Gifu sowie in der Stadt Nagoya sorgen Poster an Bahnhöfen und Stationen zur Verhinderung von Selbstmorden für reichlich Wirbel. Letztes Jahr wurden etwa 850 der Poster an 441 Bahnhöfen und Stationen aufgehängt. Verantwortlich dafür sind die regionalen Verkehrsunternehmen.

Auf dem Poster werden Mitreisende und Fahrgäste darum gebeten, nach selbstmordgefährdeten Menschen Ausschau zu halten und diese eventuell anzusprechen. Außerdem wird auf die Umstände verwiesen, die Selbstmörder den Mitreisenden bereiten. 

Zu lesen ist dort neben diversen Beratungsnummern:

Selbstmorde stoppen!

Lasst uns alle zusammen das wertvolle Leben schützen!

Bei einem Selbstmord auf den Schienen geht nicht nur ein wertvolles Leben verloren, betroffen sind auch die Sicherheit und die Lebensverhältnisse vieler der Personen, die die Bahnen benutzen.

Wenn Sie jemanden sehen, der (derart) leidet, seien Sie mutig und sprechen Sie ihn an.

Natürlich ist für die Verkehrsunternehmen die Verhinderung von Selbstmorden auch aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel heraus ein wichtiges Thema. Die Meitetsu Bahngesellschaft hat beispielsweise jährlich etwa 20-30 Fälle von Selbstmord auf ihrem Schienennetz zu verzeichnen. Die Folgen sind Verspätungen und Schäden, für die Meitetsu auch schon Entschädigungsforderungen an Angehörige gestellt hat.

Kritiker bemängeln, dass eine solche Herangehensweise und Formulierung wie auf dem Poster nicht effektiv ist. Mitglieder von Selbsthilfegruppen Angehöriger weisen zudem darauf hin, dass Hinterbliebene, die sich eh oftmals mit Gewissensbissen und Schuldfragen quälen, dadurch noch weiter gebrandmarkt werden. Denn schließlich hat ja ein Mitglied ihrer Familie anderen Umstände bereitet. Außerdem besteht großer Zweifel, ob akut Gefährdete wirklich durch den Hinweis, sie würden durch einen Sprung vor den Zug andere belästigen, vom Selbstmord abgehalten werden können.

Sicher hat ein Selbstmord auf den Schienen einen großen Einfluss auf die Verkehrsunternehmen und die Fahrgäste. Jedoch ist es mehr als fraglich, ob durch einen öffentlichen Hinweis auf die damit verbundenen „Umstände“ die Zahl der Suizide auf den Gleisen zurückgeht. Ein etwas sensiblerer Umgang mit dem Thema und mehr Einfühlungsvermögen wären wünschenswert. 

Immerhin wurden in der Stadt Nagoya nach Beschwerden nun etwa 140 Poster wieder entfernt.

Quellen:

http://digital.asahi.com/articles/ASK7M5668K7MOIPE02V.html?_requesturl=articles%2FASK7M5668K7MOIPE02V.html&rm=491

https://www.iwai-law.jp/%E3%83%96%E3%83%AD%E3%82%B0/

 

Trautes Heim …

Hat man einmal die geschützte Umgebung der Gastfamilie oder des internationalen Wohnheimes verlassen und schaut sich auf dem Wohnungsmarkt nach einer neuen Bleibe um, so wird man als Nicht-Japaner oftmals mit ungeahnten Problemen konfrontiert. Denn es gibt kein Gesetz, das Hausbesitzern verbieten würde, aufgrund der Nationalität einen Bewerber per se auszuschließen. Das heißt, Vermieter und Hausverwaltung können offen ausländische Bewerber aufgrund ihrer Nationalität rundweg ablehnen oder ihnen verschärfte Bedingungen auferlegen.

Dabei scheint es keinen Unterschied zu machen, ob die Bewerber gut ausgebildet sind, gut bezahlt werden und eine sichere Arbeitsstelle vorzuweisen haben. So waren selbst Universitätsprofessoren oder Angestellte japanischer Firmen ausländischer Herkunft unerwünscht. Auch Nicht-Japaner, die schon lange in Japan leben und nahezu perfekt Japanisch sprechen, haben diese Erfahrung gemacht. Selbst Personen, die einen japanischen Elternteil haben oder deren Ehepartner Japaner ist, wurden kategorisch ausgeschlossen. Besonders skeptisch werden potentielle Mieter aus dem asiatischen Ausland beäugt. Hier halten sich Vorurteile hartnäckig, da einzelne Fälle, in denen weitere Personen unerlaubterweise mit in der Wohnung lebten, medial Wellen geschlagen haben.

Einer Umfrage des Justizministeriums zufolge gaben 40% der befragten Ausländer an, die in den letzten 5 Jahren auf Wohnungssuche waren, aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt worden zu sein. Es wird vermutet, dass etwa 60% der Wohnungen auf dem Markt von vornherein für ausländische Bewerber unerreichbar sind.

Besteht kein genereller Ausschluss ausländischer Mieter, ist in vielen Fällen mit gesonderten Auflagen, mehr Papierkram und höheren Kosten zu rechnen. Es ist Usus, dass Ausländer die doppelte Summe an Kaution und Schlüsselgeld zahlen müssen (Schlüsselgeld kann zwischen einer und drei Monatsmieten betragen und wird nicht bei Ende des Vertrages zurückerstattet; es ist mehr eine Art unfreiwilliges Geschenk an den Vermieter). Des weiteren verlangen Hausbesitzer oder die Verwaltung häufig einen Bürgen (japanischer Herkunft), der im Falle von Mietschulden oder Schäden an der Mietsache die Kosten übernimmt. Dieser Bürge kann eine Privatperson oder auch eine Firma sein. Handelt es sich um den Arbeitgeber, könnte dies im schlechtesten Fall sogar als Druckmittel gegen den ausländischen Arbeitnehmer verwendet werden.

Doch wieso wird nicht-japanischen Bewerbern das Leben so schwer gemacht? Größte Angst der Hausbesitzer und -verwaltungen sind Probleme aufgrund von (vermuteten) Sprachbarrieren. Die Vorstellung sitzt tief, dass Ausländer nicht in der Lage sind, sich auf Japanisch zu verständigen. Weiterhin werden Ausländer verdächtigt, sich nicht an die Regeln des Zusammenlebens, insbesondere in Bezug auf Mülltrennung und -beseitigung, zu halten. Hinzu kommt die Befürchtung, dass die ausländischen Mieter bei der Zahlung der Miete in Verzug geraten und im Zweifelsfall über alle Berge sind. Diese negativen Bilder halten sich auch deshalb so gut, da der Großteil der Hauseigentümer bereits jenseits der 60 ist und sich kaum bereit zeigt, Klischees zu revidieren. Laut Japan Times liegen jedoch keine statistischen Belege vor, die diese Behauptungen unterstützen. Vielmehr stehen Nicht-Japaner ständig unter dem Druck, beweisen zu müssen, dass sie weder unzuverlässig oder unordentlich noch rebellisch sind.

Makler und spezielle Verwaltungsfirmen schlagen Gewinn aus dieser Situation. Sie mieten unter dem Namen der Firma Wohnraum, leisten Zahlungen, übernehmen Kosten für die Instandhaltung und treten als Bürge ein. Diese Wohnungen werden dann an Ausländer weitervermietet. Natürlich fallen für den Mieter dadurch zusätzliche Kosten an. Darüber hinaus wird dieser Service bei weitem nicht im ganzen Land angeboten.

Ohne eine solide gesetzliche Grundlage wird es kaum möglich sein, die Situation ausländischer Mieter in Japan zu verbessern. Auch die Klage eines belgischen Studenten gegen seine Ablehnung aufgrund seiner Nationalität wurde abgewiesen. Das Gericht sah in der Weigerung der Hausbesitzer keinen Verstoß gegen die Menschenrechte des ausländischen Bewerbers, der sich diskriminiert fühlte. Gegenwärtig haben Vermieter und Verwaltung freie Hand, was den Umgang mit und die Auflagen für ausländische Mieter betrifft. Bestrebungen, die Lage zu verbessern, sind zwar vorhanden; beispielsweise werden nun Leitlinien in mehreren Sprachen herausgegeben, um ausländische potentielle Mieter besser zu informieren und Missverständnissen vorzubeugen. Aber die großen Vorbehalte in den Köpfen der Menschen werden kaum durch gutes Zureden zu beseitigen sein.

Quelle:

‘No foreign tenants’ — and not much you can do about it

Kopfweh für Kalenderherausgeber

Japans Kaiser Akihito gab vor einiger Zeit öffentlich bekannt, den Rücktritt von seinem Amt in Betracht zu ziehen. Während die Mehrheit der Bevölkerung dafür Verständnis aufbringt, kritisierten konservative Stimmen diese Absicht als Verstoß gegen das Hofprotokoll. Denn normalerweise endet eine Kaiserschaft mit dem Tod des Throninhabers. Nachfolger kann nur ein männlicher Nachkomme des Kaisers, also ein Sohn oder ein Enkel, werden. Kaiserinnen sind nicht vorgesehen, obgleich es bereits Debatten über eine Änderung dieser Regel gab. Nach aktuellem Protokoll verlieren weibliche Mitglieder sogar ihre Zugehörigkeit zum Hof, sobald sie heiraten.

Für den gegenwärtigen Kaiser, der aus gesundheitlichen Gründen abdanken möchte, wird eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen. Eine dauerhafte Änderung kommt für die japanische Regierung um den konservativen Premierminister Shinzou Abe vorerst nicht in Frage.

Doch nicht nur in der Bevölkerung und unter Politikern sorgen die Pläne Kaiser Akihitos für Aufregung. Eine Gruppe, für die eine schnelle und eindeutige Regelung sehr wichtig ist, sind die Herausgeber japanischer Kalender.

Denn in Japan spielt neben der westlichen Zeitzählung nach dem gregorianischen Kalender nach wie vor der traditionelle Kalender eine bedeutende Rolle. Dabei werden die Jahre nach ihrer Reihenfolge innerhalb einer Herrscherära benannt. Mit der Thronbesteigung eines neuen Kaisers bricht zugleich eine neue Ära an, die unter einem vorher festgesetzten Motto steht. Beispielsweise befinden wir uns nun (2017) im Jahr Heisei 29, da Kaiser Akihito seine Regentschaft im Jahr 1989 begonnen hat (Heisei 1).

Die Herausgeber japanischer Kalender drängen nun die Regierung, möglichst schnell über den Namen der neuen Regentschaftszeit zu beraten, der für gewöhnlich aus zwei chinesischen Schriftzeichen zusammengesetzt ist. Andernfalls könnten sie in große finanzielle Probleme geraten, da Produktionspläne geändert und hohe Kosten für die Auslagerung von Aufgaben anfallen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der jetzige Kaiser im Dezember 2018 alle seine Verpflichtungen an seinen Sohn Naruhito abgeben, sodass mit dem 1. Januar 2019 die neue Regentschaft anbricht. Demzufolge, so die Vertreter der Kalenderherausgeber, wäre eine Entscheidung über den Namen bis zum kommenden Januar äußerst wünschenswert. 

 

Quellen:

Big headache for calendar publishers if new emperor’s era name announcement delayed

 

Veraltetes Sexualstrafrecht kommt in Bewegung

Erstmals seit der Einführung des Strafgesetzbuchs im Jahr 1907 wird die Strafe für sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung und die Definition solcher Taten angepasst. Diese Überarbeitung wurde maßgeblich von der ehemaligen Justizministerin Midori Matsushima vorangetrieben. Besonders bestürzt war sie von der Tatsache, dass Raub zum Teil härtere Strafen nach sich zieht, als eine Vergewaltigung.

Die minimale Strafe für eine Vergewaltigung beträgt gegenwärtig drei Jahre. Zieht die Tat ernsthafte Verletzungen oder gar den Tod des Opfers nach sich, ist selbst dann eine Mindeststrafe von fünf Jahren möglich. Demgegenüber beträgt die minimale Strafe für einen Raubüberfall fünf Jahre und für einen Raubüberfall mit ernsthaften Verletzungen oder Todesfolge sechs Jahre.

Die bevorstehende Änderung betrifft zunächst die Definition von Vergewaltigung. Nicht bloß erzwungener vaginaler Geschlechtsverkehr soll nun als Vergewaltigung anerkannt werden, sondern auch erzwungene orale und anale Praktiken fallen künftig darunter. Dies ermöglicht, dass auch Männer als Opfer anerkannt werden und Frauen als Täter in Frage kommen. Darüber hinaus soll der herkömmlichen Ausdruck für Vergewaltigung „gokan“ durch einen anderen Ausdruck ersetzt werden, da „gokan“ eine Tat impliziert, in der Frauen stets die Opfer sind. Weiterhin wird es nicht mehr zwingend erforderlich sein, dass das Opfer selbst die Tat zur Anzeige bringt. Auch Dritte können Anzeige erstatten, was die große psychologische Belastung für Opfer reduzieren kann. Zudem soll die Mindeststrafe für Vergewaltigung auf fünf Jahre angehoben werden.

Hinzu kommt ein neuer Straftatbestand für Erziehungsberechtigte, die ihre Schutzbefohlenen missbrauchen. Dadurch wird die strafrechtliche Verfolgung von Taten gegen Kinder und Jugendliche durch Eltern vereinfacht. In diesen Fällen ist es zudem nicht mehr nötig, die Anwendung von Gewalt und Zwang bei der Tat nachzuweisen. Zu bemänglen bleibt jedoch, dass diese Ausweitung nicht auf weitere Erwachsene im näheren Umfeld der Kinder, wie zum Beispiel Verwandte, Lehrer oder Trainer, anzuwenden ist.

Umstritten bleibt die generelle Regelung, dass nur dann von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung gesprochen wird, wenn der Täter den Widerstand des Opfers mit „Gewalt und Drohung“ überwindet. An diesem Punkt ist zu kritisieren, dass in der Realität die Opfer oftmals unter Schock stehen oder aus Angst keine Versuche unternehmen, den Übergriff abzuwenden.

Die längst überfällige Revision des Sexualstrafrechts weist auf einen Wandel in Bezug auf überholte Wertmaßstäbe hin. Die bisherige Gesetzeslage versuchte lediglich, den Raub der „Reinheit“ der Frau, die durch vaginalen erzwungenen Sex genommen wird, zu bestrafen. Nun soll die Würde der Opfer und die Bedeutung ihrer Menschenrecht mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Japan ist auf einem guten Weg in die richtige Richtung. Die Veränderungen zeigen, dass die alten Gesetze als unzureichend angesehen werden.

http://www.japantimes.co.jp/news/2017/03/06/reference/revisions-seek-bring-japans-archaic-sex-crime-laws-modern-era/#.WL_IZ2YiyUk

Der Skandal um die Moritomo-Grundschule (2)

Der Skandal um Moritomo Gakuen, ihren Vorsitzenden Yasunori Kagoike und die Verwicklungen der LDP um Shinzo Abe in die Sache geht in die nächste Runde. Wie es scheint, gibt es nicht nur Unstimmigkeiten in Bezug auf den Grundstückspreis der neu gebauten Grundschule, auch die Summen, die zwischen der Baufirma geflossen sind und die Moritomo Gakuen ausgegeben haben will, unterscheiden sich beträchtlich. Während Moritomo von Kosten in Höhe von etwa 2 Billionen Yen spricht, ist tatsächlich nur ein Drittel dieses Preises mit der Baufirma ausgemacht worden. Aufgrund der unklaren Lage hat der Gouverneur der Präfektur Osaka die Eröffnung der Schule erst einmal auf Eis gelegt. Er besteht auf einer weiteren Untersuchung und Aufklärung.

Zugleich lehnt die LDP die Forderung der Opposition ab, Herrn Kagoike als unvereidigten Zeugen im Parlament zu befragen. Ihrer Meinung nach ist es nicht angebracht, eine Privatperson, der zunächst kein Vergehen nachgewiesen worden ist, im Parlament zu verhören. Derweil hat selbst Premierminister Abe einräumen müssen, dass die Regierung nicht in der Lage ist, die Angelegenheit zufriedenstellend aufzuklären. Die Notwendigkeit einer umfassenden Klärung steigt mit dem nationalen Druck und dem zunehmenden internationale Interesse an der Geschichte.

Des Weiteren besteht die Opposition darauf, Verantwortliche des Finanzministeriums anzuhören, die in den Ablauf des Verkaufs involviert waren. Sie sollen erklären, wie es zu der Reduzierung des ursprünglich veranschlagten Grundstückspreises von etwa 956 Millionen Yen auf 134 Millionen Yen kommen konnte.

Auch die Rolle, die Akie Abe in dieser Sache spielt, wird weiter heftig debattiert. Während ihr Mann darauf besteht, dass sie als Privatperson den Kindergarten der Moritomo Gruppe besucht und dort eine Rede gehalten hat, stellen andere Politiker dies infrage, da sie dabei auch von Beamten der Regierung begleitet wurde. Außerdem wurde sie dort in ihrer Rolle als Frau des Premierministers angekündigt und dies kann durchaus als öffentliches Amt betrachtet werden.

http://www.japantimes.co.jp/news/2017/03/07/national/moritomo-gakuen-seen-telling-state-school-cost-three-times-build-claimed-contract/#.WL_JQWYiyUk

http://digital.asahi.com/articles/ASK374W4PK37UTFK00L.html?_requesturl=articles%2FASK374W4PK37UTFK00L.html&rm=779

Der Skandal um die Moritomo-Grundschule

Japans Premierminister Shinzo Abe droht ein Skandal im Zusammenhang mit einer neu gegründeten Grundschule in Osaka. Diese Grundschule gehört zur Bildungskörperschaft Moritomo, die bereits einen Kindergarten betreibt. Dieser Kindergarten hat wegen idiologisch-nationalistischer Erziehung der Kinder negative Schlagzeilen gemacht.

Neben schriftlichen Unterlagen und Aussagen von Eltern konnte durch ein Video festgestellt werden, dass den Kindern dort rechte politische Gedanken eingetrichtert werden. Rassismus und eine verklärende Sicht auf Japan werden vermittelt. Ein Video, das auf Twitter verbreitet wurde, zeigt den Beginn eines Sportfestes. Darauf sind die Kinder zu sehen, die einen Schwur leisten, in dem sie unter anderem die Erwachsenen dazu aufrufen, Japan und insbesondere auch die umstrittenen Gebiete gegen andere Länder zu verteidigen. Des weiteren wird China und Korea konkret vorgeworfen, im Bezug auf die Geschichte Lügen zu verbreiten. Und auch ein extra Lob für den großen Premierminister bleibt nicht aus.

Hier werden kleine Kinder mit rechtem Gedankengut infiltriert. Dies ist eindeutig gesetzwidrig und das Erziehungsministerium müsste möglichst bald ein Machtwort sprechen, was noch nicht geschehen ist.

Leiter von Moritomo ist ein Mann namens Yasunori Kagoike, der ein einflussreiches Mitglied der Nippon-Kaigi ist. Diese Gruppierung ist für ihre nationalisitschen Tendenzen bekannt und hat viele Mitglieder in hohen Regierungskreisen zu verzeichnen. Zu ihren Zielen erklärt sie unter anderem: Verstärkte Verehrung der kaiserlichen Familie, ein nationales Recht auf Verteidigung, die Familie als Kern des Staates und Stärkung des Shinto als japanischer Urreligion. Hinzu kommt eine offen feindliche und verachtende Haltung gegenüber China und Korea sowie die Ablehnung einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Für kurze Zeit war Abes Frau Akie als Ehrendirektorin von Moritomo mit einem Grußwort auf der Homepage vertreten. Darin hat sie die Ausrichtung der Schule, die den Nationalstolz fördern und die Kinder moralisch erziehen will, gelobt. Nach Protesten und Widerstand sowie kritischen Nachfragen aufgrund finanzieller Ungereimtheiten ist sie von diesem Amt zurückgetreten. Ihr Beitrag wurde von der Hompage entfernt.

Wie japanische Medien berichten, konnte die Bildungskörperschaft Moritomo das staatseigene Land zu einem Spottpreis erwerben. Nur etwa 14% des offiziellen Preises mussten bezahlt werden. Offizielle Stellen begründen dies damit, dass im Vorfeld umfangreich Industrieabfall durch Moritomo beseitigt werden musste. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass entsprechende Arbeiten durchgeführt worden sind, steht noch aus.

Abe selbst ließ verlauten, falls ihm eine Verwicklung in die dubiose Bezahlung des Grundstückes nachgewiesen werden könne, so werde er von seinem Amt zurücktreten. Auch habe seine Frau die Ernennung zur Ehrendirektorin der Schule zunächst nicht ablehnen können, nachdem dies wohl voreilig verkündet worden sei.

Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/shinzo-abe-betreibt-in-japan-nationalismus-14887395.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 <http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/shinzo-abe-betreibt-in-japan-nationalismus-14887395.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2>

https://hbol.jp/130689

https://www.theguardian.com/world/2017/feb/24/shinzo-abe-wife-akie-under-pressure-ties-ultra-nationalist-school-japan

http://headlines.yahoo.co.jp/hl?a=20170223-00000112-asahi-soc