Kopfweh für Kalenderherausgeber

Japans Kaiser Akihito gab vor einiger Zeit öffentlich bekannt, den Rücktritt von seinem Amt in Betracht zu ziehen. Während die Mehrheit der Bevölkerung dafür Verständnis aufbringt, kritisierten konservative Stimmen diese Absicht als Verstoß gegen das Hofprotokoll. Denn normalerweise endet eine Kaiserschaft mit dem Tod des Throninhabers. Nachfolger kann nur ein männlicher Nachkomme des Kaisers, also ein Sohn oder ein Enkel, werden. Kaiserinnen sind nicht vorgesehen, obgleich es bereits Debatten über eine Änderung dieser Regel gab. Nach aktuellem Protokoll verlieren weibliche Mitglieder sogar ihre Zugehörigkeit zum Hof, sobald sie heiraten.

Für den gegenwärtigen Kaiser, der aus gesundheitlichen Gründen abdanken möchte, wird eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen. Eine dauerhafte Änderung kommt für die japanische Regierung um den konservativen Premierminister Shinzou Abe vorerst nicht in Frage.

Doch nicht nur in der Bevölkerung und unter Politikern sorgen die Pläne Kaiser Akihitos für Aufregung. Eine Gruppe, für die eine schnelle und eindeutige Regelung sehr wichtig ist, sind die Herausgeber japanischer Kalender.

Denn in Japan spielt neben der westlichen Zeitzählung nach dem gregorianischen Kalender nach wie vor der traditionelle Kalender eine bedeutende Rolle. Dabei werden die Jahre nach ihrer Reihenfolge innerhalb einer Herrscherära benannt. Mit der Thronbesteigung eines neuen Kaisers bricht zugleich eine neue Ära an, die unter einem vorher festgesetzten Motto steht. Beispielsweise befinden wir uns nun (2017) im Jahr Heisei 29, da Kaiser Akihito seine Regentschaft im Jahr 1989 begonnen hat (Heisei 1).

Die Herausgeber japanischer Kalender drängen nun die Regierung, möglichst schnell über den Namen der neuen Regentschaftszeit zu beraten, der für gewöhnlich aus zwei chinesischen Schriftzeichen zusammengesetzt ist. Andernfalls könnten sie in große finanzielle Probleme geraten, da Produktionspläne geändert und hohe Kosten für die Auslagerung von Aufgaben anfallen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der jetzige Kaiser im Dezember 2018 alle seine Verpflichtungen an seinen Sohn Naruhito abgeben, sodass mit dem 1. Januar 2019 die neue Regentschaft anbricht. Demzufolge, so die Vertreter der Kalenderherausgeber, wäre eine Entscheidung über den Namen bis zum kommenden Januar äußerst wünschenswert. 

 

Quellen:

Big headache for calendar publishers if new emperor’s era name announcement delayed

 

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