Der ewige Streit um ein paar Inseln

Relativ unbekannt ist, dass Japan und Russland nach Ende des Zweiten Weltkriegs nie einen Friedensvertrag abgeschlossen haben. Der Kriegszustand ist zwar beendet, doch dem Friedensvertrag steht ein jahrelanger Streit im Weg. Dabei geht es um Territorialansprüche, genauer gesagt um vier Inseln, die zu den Kurilen gehören und damit international Russland zugesprochen werden. Die Inseln Kunashiri, Etorofu, Habomai und Shikotan befinden sich nördlich von Japan und östlich von Russland.

Japan besteht auf „Rückgabe“ aller vier Inseln, während Russland bereit ist, nach Abschluss eines Friedensvertrag zwei der Inseln, Habomai und Shikotan, offiziell Japan zu überlassen. Dabei beruft Russland sich auf die „gemeinsame Deklaration von 1956“, in der die beiden Staaten die Umstände und Folgen eines Friedensvertrages festsetzten. Da Japan nicht bereit ist, sich mit zwei der Inseln zufrieden zu geben, und Russland keinerlei Interesse an einer erneuten Verhandlung über alle vier Inseln zeigt, sind die Fronten verhärtet.

Von erneutem Interesse ist dieser Konflikt mit Blick auf den baldigen Besuch des russischen Präsidenten Putin. Er wird sich am 15. und 16. Dezember zu Gesprächen mit Premierminister Abe in Japan einfinden. Schon im Vorfeld machte Putin beim Interview mit japanischen Medien deutlich, dass er nicht gedenke, den Kurilen-Konflikt anzusprechen, geschweige denn, neu zu verhandeln. Vielmehr warf er den Ball der japanischen Seite zu, indem er von einer „notwendigen Flexibilität Japans“ in dieser Angelegenheit sprach.

In beiderseitigem Interesse unterdes ist natürlich eine Verstärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Doch auch hier sieht Putin Probleme, da aufgrund der Lage in der Ukraine von japanischer Seite Russland wirtschaftliche Sanktionen auferlegt worden sind. Er fragt: „Wenn wir solche Bestrafungen erhalten, wie sollen wir dann die wirtschaftlichen Beziehungen auf ein noch besseres Niveau bringen?“

Innerhalb dieser schwierigen Situation scheint auch die Ausweitung der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Japan nicht mehr als eine phantastische Idee. Russland strebt an, die Eisenbahnlinie über die Insel Sachalin bis zur japanischen Insel Hokkaidou auszubauen. Dies würde den Warentransport erleichtern und vergünstigen. Auch könnte so die Stillegung einzelner Bahnstrecken auf dem dünn besiedelten Hokkaidou verhindert werden.

Wir können gespannt sein, welche Ergebnisse das Treffen der Regierungschefs bringen wird.

Quellen:

http://www.yomiuri.co.jp/politics/20161213-OYT1T50110.html?from=ytop_navl&seq=01

http://digital.asahi.com/articles/ASJD8627PJD8UTIL057.html?_requesturl=articles%2FASJD8627PJD8UTIL057.html&rm=620

 

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